Privatsphäre & Cookies
Dominic Fischer | September 2026
Mehrsprachige Gästeinformation muss nicht kompliziert sein. Erfahren Sie, welche Sprachen wirklich relevant sind.
Englisch reicht nicht immer – zehn Sprachen braucht aber auch nicht jede Kommune. Entscheidend ist, welche Gäste tatsächlich erreicht werden sollen und wie sich mehrsprachige Inhalte dauerhaft aktuell halten lassen.
Deutschland ist ein internationales Reiseziel. Im Jahr 2025 wurden in deutschen Beherbergungsbetrieben rund 83,8 Millionen Übernachtungen von Gästen aus dem Ausland gezählt. Ihr Anteil an allen Übernachtungen lag bei 16,8 Prozent.
Für die Besucherinformation vor Ort stellt sich damit eine einfache Frage: Verstehen diese Gäste eigentlich die Informationen, die wir ihnen anbieten?
Auf einer klassischen Informationstafel ist der Platz begrenzt. Drei oder vier vollständige Sprachversionen machen aus einer übersichtlichen Tafel schnell eine Textwand. Digitale Besucherinformation eröffnet hier andere Möglichkeiten. Doch auch digital gilt: Mehr Sprachen sind nicht automatisch bessere Gästeinformation.
Der erste Reflex lautet häufig: Wir brauchen unsere Inhalte zusätzlich auf Englisch.
Das ist in vielen Fällen ein sinnvoller Anfang. Ob Englisch allein ausreicht, hängt aber stark von der Destination ab. Eine Grenzregion hat andere Besuchergruppen als eine Großstadt, ein Weinort andere als eine Ferienregion oder ein international bekanntes Museum.
Deshalb sollte vor der Übersetzung zunächst geklärt werden:
Übernachtungsstatistiken, Daten der Tourist-Information, Websitezugriffe oder Erfahrungen aus Gästekontakten können dafür eine gute Grundlage liefern.
Das Ziel sollte nicht einfach sein, möglichst viele Sprachen anzubieten, sondern die richtigen Sprachen an den richtigen Stellen einzusetzen.

Auch innerhalb eines Angebots lohnt sich eine Priorisierung.
Grundlegende Informationen zur Orientierung, zu Öffnungszeiten oder zur Nutzung eines Angebots sollten für möglichst viele relevante Gäste verständlich sein. Bei ausführlichen historischen Hintergrundtexten oder vertiefenden Inhalten kann eine andere Auswahl sinnvoll sein.
So kann beispielsweise eine Sehenswürdigkeit einen kurzen Einstieg in vier Sprachen anbieten, während umfangreiche Hintergrundinformationen zunächst nur auf Deutsch und Englisch verfügbar sind.
Digitale Angebote machen eine solche Staffelung deutlich einfacher als gedruckte Medien.
Gleichzeitig können Gäste selbst entscheiden, wie tief sie einsteigen möchten: ein kurzer Text zur Orientierung, anschließend vielleicht ein Audiobeitrag, historische Bilder oder zusätzliche Hintergrundinformationen.
Gerade hier können analoge und digitale Besucherinformation sinnvoll zusammenspielen.
Auf einer Tafel reichen häufig Name, kurze Einordnung und grundlegende Informationen. Ein QR-Code kann anschließend zu weiterführenden Inhalten in verschiedenen Sprachen führen.
Damit bleibt die Beschilderung übersichtlich, während internationaler Gästeservice nicht am verfügbaren Platz auf der Tafel endet.
Worauf es beim Einsatz solcher Zugänge ankommt, haben wir bereits im Beitrag „QR-Codes im Tourismus richtig einsetzen“ betrachtet.
Der Vorteil liegt also nicht darin, eine bisher zweisprachige Tafel künftig mit sechs Sprachen zu bedrucken. Sondern darin, Informationsebenen sinnvoll voneinander zu trennen.
Ein weiterer Fehler entsteht, wenn vorhandene deutsche Texte unverändert in andere Sprachen übersetzt werden.
Ein Text kann sprachlich korrekt übersetzt sein und trotzdem für internationale Gäste schwer verständlich bleiben.
Lokale Begriffe, Verwaltungsbezeichnungen, historische Zusammenhänge oder regional bekannte Personen benötigen möglicherweise zusätzliche Erklärungen. Was für Einheimische selbstverständlich ist, ist es für einen Gast aus den Niederlanden, Frankreich oder den USA nicht automatisch.
Ein einfaches Beispiel: Der Name eines historischen Gebäudes sagt einem ortsfremden Gast zunächst wenig. Ein kurzer Hinweis darauf, warum dieses Gebäude für die Stadt wichtig ist, kann hilfreicher sein als eine wortgetreue Übersetzung eines langen deutschen Beschreibungstextes.
Gute Mehrsprachigkeit bedeutet deshalb auch, Inhalte aus Sicht der jeweiligen Gäste zu betrachten.
Übersetzungstechnologien haben sich in den vergangenen Jahren stark verbessert. Sie können insbesondere bei größeren Mengen touristischer Inhalte viel Arbeit abnehmen.
Das macht sie zu einem hilfreichen Werkzeug – aber nicht automatisch zu einer fertigen Redaktion.
Eigennamen, regionale Besonderheiten, historische Begriffe oder touristische Formulierungen sollten überprüft werden. Besonders bei zentralen Besucherinformationen lohnt sich eine redaktionelle Qualitätskontrolle.
Praktisch kann deshalb ein zweistufiger Prozess sein:
Zunächst wird der Ausgangstext so geschrieben, dass er klar, verständlich und gut strukturiert ist. Anschließend erfolgt die Übersetzung mit technischer Unterstützung und eine Kontrolle der für die Destination wichtigsten Sprachversionen.
Denn auch die beste Übersetzung kann einen unnötig komplizierten Ausgangstext nicht retten.
Die eigentliche Herausforderung beginnt häufig erst nach der Veröffentlichung.
Öffnungszeiten ändern sich. Einrichtungen schließen vorübergehend. Ansprechpartner wechseln. Angebote kommen hinzu.
Wenn jede Sprachversion unabhängig voneinander in verschiedenen Dokumenten oder Webseiten gepflegt wird, entstehen schnell unterschiedliche Informationsstände.
Bei der Planung mehrsprachiger Besucherinformation sollte deshalb früh geklärt werden:
Gerade bei umfangreicheren Angeboten ist eine zentrale Pflege häufig wichtiger als die Frage, ob zum Start noch eine weitere Sprache ergänzt werden kann.
Bei webbasierten Rundgängen lassen sich verschiedene Sprachversionen anbieten, ohne dass Gäste zunächst eine eigene App installieren müssen. Der Einstieg kann direkt am Standort erfolgen – beispielsweise über einen QR-Code.
Welche Vorteile und Grenzen solche Lösungen haben, haben wir im Beitrag „Digitale Stadtführung ohne App: Wann webbasierte Rundgänge sinnvoll sind“ ausführlicher betrachtet.
Mehrsprachigkeit ist dabei kein Selbstzweck. Sie wird dann wertvoll, wenn ein Gast vor einer Sehenswürdigkeit steht und die relevante Geschichte tatsächlich verstehen kann.

Mehrsprachige Gästeinformation muss kein riesiges Übersetzungsprojekt sein.
Ein guter Einstieg besteht darin, die wichtigsten Besuchergruppen zu kennen, relevante Informationen zu priorisieren und zunächst dort Sprachbarrieren abzubauen, wo sie tatsächlich entstehen.
Digitale Angebote schaffen dafür zusätzlichen Raum. Sie können klassische Beschilderung ergänzen, unterschiedliche Informationstiefen anbieten und Inhalte nach Sprache getrennt ausspielen.
Entscheidend bleibt aber auch hier die Perspektive des Gastes:
Welche Information brauche ich an diesem Ort – und kann ich sie verstehen?
Wer diese Frage beantworten kann, ist bei guter mehrsprachiger Besucherinformation bereits einen großen Schritt weiter.