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Dominic Fischer | August 2026
Welche Vorteile webbasierte Rundgänge bieten, wo ihre Grenzen liegen und worauf Kommunen bei der Planung achten sollten.
Eine Stadt spontan entdecken, vor einem historischen Gebäude stehen bleiben und mehr darüber erfahren: Digitale Rundgänge können genau in solchen Situationen einen Mehrwert bieten.
Doch wie gelangen die Informationen aufs Smartphone? Braucht es dafür eine eigene App – oder reicht eine webbasierte Lösung, die direkt im Browser geöffnet wird?
Beides kann sinnvoll sein. Entscheidend ist weniger die Technik als die Frage, wie, wann und von wem das Angebot genutzt werden soll.
Bei einem webbasierten Stadtrundgang öffnen Gäste die Inhalte direkt über den Browser ihres Smartphones. Der Einstieg erfolgt beispielsweise über einen QR-Code auf einer Informationstafel, einen Link auf der touristischen Website oder einen Hinweis in einem Flyer.
Eine Installation aus einem App-Store ist nicht erforderlich.
Der Rundgang selbst kann trotzdem umfangreich sein: Stationen, Karten, Texte, Bilder, Audio, Videos und weiterführende Informationen lassen sich miteinander verbinden. Wie solche digitalen Stadtrundgänge grundsätzlich aufgebaut sein können, hängt stark vom Ort und vom gewünschten Nutzungserlebnis ab.
Ein Vorteil webbasierter Angebote liegt im direkten Einstieg.
Touristische Angebote werden häufig spontan genutzt. Gäste entdecken unterwegs einen Hinweis auf einen Rundgang oder interessieren sich für eine Sehenswürdigkeit, an der sie gerade vorbeikommen.
Wenn zwischen diesem Interesse und dem eigentlichen Inhalt zunächst App-Store, Download und Installation liegen, entstehen zusätzliche Schritte. Ein QR-Code, der unmittelbar auf eine mobile Seite führt, verkürzt diesen Weg.
Das allein garantiert allerdings noch keine Nutzung. Ein schlecht platzierter QR-Code oder eine unübersichtliche mobile Seite bleibt auch ohne App eine Hürde. Zugang, Gestaltung und Inhalt müssen deshalb zusammengedacht werden.

Digitale Stadtführungen werden schnell mit möglichst vielen technischen Möglichkeiten verbunden: interaktive Karten, Videos, Audio, Quizfunktionen oder umfangreiche Hintergrundinformationen.
Doch nicht alles, was technisch möglich ist, verbessert automatisch den Rundgang.
An einer historischen Station kann ein kurzer Audiobeitrag interessanter sein als ein langer Text. An einem Aussichtspunkt hilft vielleicht eine Karte weiter. An anderer Stelle reicht eine historische Aufnahme mit wenigen erklärenden Sätzen.
Gerade Audioguides können Informationen sinnvoll ergänzen, weil Gäste die Umgebung betrachten können, während sie einer Geschichte oder Erklärung zuhören.
Die wichtigere Frage lautet deshalb nicht: Was können wir alles integrieren? Sondern: Was hilft Gästen an dieser Station tatsächlich weiter?
Ein häufiger Fehler besteht darin, vorhandene Inhalte lediglich in ein digitales Format zu übertragen.
Aus einer gedruckten Broschüre wird dann eine lange mobile Seite. Inhaltlich hat sich wenig verändert – nur das Medium ist ein anderes.
Digitale Besucherinformation bietet aber andere Möglichkeiten. Inhalte können gestaffelt werden: ein kurzer Einstieg für alle, vertiefende Informationen für Interessierte, Audio für diejenigen, die lieber zuhören, und weiterführende Hinweise für Gäste, die noch mehr entdecken möchten.
Damit knüpft der digitale Rundgang an eine grundsätzliche Entwicklung der Besucherinformation an: Analoge und digitale Angebote müssen sich nicht gegenseitig ersetzen. Sie können unterschiedliche Aufgaben übernehmen. Mehr dazu haben wir im Artikel „Warum klassische Besucherleitsysteme heute nicht mehr ausreichen“ betrachtet.
Auf einer klassischen Informationstafel konkurrieren verschiedene Sprachversionen um begrenzten Platz. Bei digitalen Rundgängen können Inhalte dagegen getrennt nach Sprache ausgespielt werden.
Das macht nicht automatisch jede Übersetzung sinnvoll. Welche Sprachen benötigt werden, sollte sich an den tatsächlichen Besuchergruppen orientieren.
Ein anschauliches Beispiel liefert der digitale Stadtrundgang in Breisach: Die bestehende Beschilderung wurde dort um QR-Codes ergänzt und die digitalen Inhalte in mehreren Sprachen angeboten.
Interessant ist daran weniger die konkrete technische Lösung als das Prinzip: Die analoge Information bleibt übersichtlich, während digital zusätzliche Informationstiefe möglich wird.
Eine Lösung ohne App ist nicht automatisch für jedes Projekt die beste Wahl.
Webbasierte Angebote sind in vielen Fällen auf eine stabile Internetverbindung angewiesen. Je nach technischer Umsetzung sind Offline-Funktionen, Push-Benachrichtigungen oder bestimmte gerätespezifische Funktionen eingeschränkter als bei einer nativen App.
Auch der Inhalt selbst braucht Pflege. Veraltete Öffnungszeiten, nicht mehr funktionierende Links oder überholte Empfehlungen fallen digital genauso negativ auf wie auf einer alten Informationstafel.
Und schließlich ersetzt ein digitaler Rundgang nicht jede andere Form der Vermittlung. Persönliche Stadtführungen, gedruckte Angebote, Beschilderung und digitale Informationen können unterschiedliche Zielgruppen und Situationen abdecken.
Eine eigene App kann sinnvoll sein, wenn ein Angebot regelmäßig genutzt wird, komplexe Funktionen benötigt oder weit über einen einzelnen Rundgang hinausgeht.
Ein browserbasierter Zugang bietet sich dagegen besonders an, wenn Gäste spontan einsteigen sollen und die Nutzung unmittelbar vor Ort beginnt.
Die Entscheidung sollte daher nicht mit der Technologie starten, sondern mit einigen einfachen Fragen:
Erst danach sollte entschieden werden, welche technische Lösung dazu passt.
Ob App oder Browser ist letztlich eine Umsetzungsfrage.
Entscheidend ist, dass Gäste einfach zum Angebot finden, die Informationen zur jeweiligen Situation passen und der Rundgang auch nach dem Projektstart aktuell gehalten werden kann.
Wer verschiedene Umsetzungen vergleichen möchte, findet in den Referenzen zu digitalen Rundgängen und Guides weitere Beispiele aus Kommunen und touristischen Einrichtungen.